Was gehört zu einem «guten» Tod?

Aug 25, 2016 | Neues aus der Forschung

bill-sg-news-gutes-sterbenWelche Aspekte spielen eine Rolle, ob Patientinnen und Patienten, Familienangehörige aber auch Gesundheitsfachleute von einem «guten» Tod sprechen? Gemäss einer Studie, publiziert in der amerikanischen Fachzeitschrift «American Journal of Geriatric Psychiatry», spielen folgende Faktoren eine Rolle:

  • «Preferences for dying process» – Vorlieben betreffend dem Sterbeprozess
    Am Wichtigsten ist die Berücksichtigung der Patientenwünsche und die Selbstbestimmung, also das Wie, Wer, Wo und Wann des Sterbens. Patientenverfügungen aber auch formulierte Wünsche für die Abdankung sind dazu sicherlich hifreich. Gewünscht wird auch, dass man während des Schlafens stirbt.
  • «Pain-free status» – Schmerzfreiheit am Ende des Lebens
    Sehr wichtig ist, schmerzfrei zu sein. Dazu ist ein gutes Schmerz- und Symptommanagement wichtig.
  • «Religiosity/Spirituality» – Religiosität/Spiritualität
    Für zwei von drei Patient(innen) spielt der Glaube eine wichtige Rolle, der Trost und Beistand durch ihre Religion.
  • «Emotional well-being» – Wohlbefinden
    Insbesondere Familienangehörigen von Sterbenden ist es wichtig, dass sich der Sterbende wohlfühlt, seelische Unterstützung erhält und bei Bedarf mit jemanden über den Sinn des Sterbens sprechen kann.
  • «Life completion» – Ein erfülltes Leben
    Acht von zehn Familienangehörigen und etwa jede(r) zweite Patient(in) möchten sich von ihren/seinen Nahestehenden verabschieden. Und man wünscht sich, auf ein erfülltes Leben zurückblicken sowie den Tod akzeptieren zu können.
  • «Treatment preferences» – Behandlungswünsche
    Zu einem “guten” Tod kann auch der Verzicht auf lebensverlängernde Massnahmen gehören. Gleichzeitig möchten aber die Beteiligten der Überzeugung sein, dass alles medizinisch Mögliche getan worden ist. Auch das Thema assistierter Suizid wird im Zusammenhang mit einem «guten» Tod thematisiert.
  • «Dignity» – Würde
    Über die Hälfte aller Befragten wünschen sich, als Individuum respektiert und möglichst lange selbstbestimmt leben zu können.
  • «Family» – Familie
    Gerade für Familienangehörige ist die familiäre Unterstützung wichtig (7 von 10 befragten Familienangehörigen). Die Familien möchten auf das Sterben und den Tod vorbereitet sein und diesen auch akzeptieren können. Auf der anderen Seite wünschen sich Patient(innen), keine Bürde für die Familie zu sein.
  • «Quality of life» – Lebensqualität
    Hoffnung, Freude, Dankbarkeit und möglichst lange ein lebenswertes Leben führen zu können, wird ebenfalls mit einem “guten” Tod verbunden.
  • «Relationship with HealthCare-Providers» – Beziehung zum medizinischen Personal
    Die Beziehung zum Pflegepersonal sowie den Ärzten sollte geprägt sein von Vertrauen. Man möchte sich unterstützt fühlen und Trost durch diese Menschen erfahren. Man wünscht sich Ärzte und Pflegenden, welche mit dem Sterben und dem Sterbeprozess vertraut sind. Schliesslich kann es auch Menschen geben, welche über religiös-spirituelle Überzeugungen und Ängste mit den Fachpersonen aus dem Gesundheitsbereich sprechen möchten.
  • «Other» – Anderes: Im Weiteren wird die Berücksichtigung kultureller Wünsche und Anliegen im Zusammenhang mit einem „guten“ Tod genannt, aber auch das Thema körperliche Berührung, das Zusammensein mit Haustieren und die Gesundheitskosten werden angesprochen.

Fazit: Neben Selbstbestimmung sowie Schmerzfreiheit hängt für viele der Befragten ein “gutes” Sterben bzw. ein “guter” Tod mit einem “guten” oder sinnerfüllten Leben zusammen. Auch wenn sich der Tod und die Umstände nur bedingt vorherbestimmen lässt, kann eine ganzheitliche Betreuung am Lebensende (medizinisch, pflegerisch, sozial, psychisch sowie religiös-spirituell) ein Stück dazu beitragen, sich einem  “guten” Tod anzunähern.

Literatur:
Meier, E. A., et al. (2016). “Defining a Good Death (Successful Dying): Literature Review and a Call for Research and Public Dialogue.” Am J Geriatr Psychiatry 24(4): 261-271.