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Standards in der Trauerbegleitung – Konsequenzen für Pfarreien und Kirchgemeinden?

Wie im letzten Blogbeitrag gezeigt wurde, leiden ca. 10-15% der Angehörigen an einer komplizierten Trauerreaktion, d.h. sie kommen über den Verlust nicht hinweg. Diesen Menschen gilt es professionelle Hilfe der Trauerbegleitung anzubieten. Nun sprechen sich der australische Forscher Peter Hudson und Kollegen für Standards der Trauerbegleitung aus, auch da bisher die Trauerbegleitung in Palliative Care eher ein Mauerblümchendasein fristete .

Standards in der Trauerbegleitung

Daher haben sie zehn Standards in der Trauerbegleitung definiert. Dabei geht es um organisatorische Fragen: z.B. sollen alle Trauernden unabhängig ihrer Herkunft, Sprache, Religion, ihrem seelischen oder physischen Gesundheitszustand, etc. Zugang zu einer Trauerbegleitung oder Unterstützung erhaben. Oder: alle Angestellten, welche Kontakt zu Trauernden pflegen, besitzen mindestens Basiskompetenzen in Trauerbegleitung, z.B. auch administrative Mitarbeitende.

Die Standards sehen vor, dass die Institutionen bereits vor dem Todeseintritt sensibel sind für sich abzeichnende Anzeichen von komplizierter Trauer der Angehörigen (siehe Risikofaktoren). Im Weiteren schlagen sie vor, dass die Angehörigen genügend auf den bevorstehenden Tod vorbereitet sind und beispielsweise Anzeichen eines bald eintretenden Todes kennen. Gleichzeitig sollte mit allen Betroffenen abgesprochen sein, wer beim Todeseintritt zugegen sein möchte/will und wo der schwer kranke Mensch versterben möchte. Auch praktische Informationen für die Schritte nach Todeseintritt (z.B. zur Bestattung, etc.) aber auch zum Trauererleben können hilfreich sein.

Wichtig ist, die Trauernden (insbesondere die primären) Bezugspersonen nicht alleine zu lassen, sondern in regelmässigem Kontakt mit ihnen zu stehen. Die Standards schlagen daher vor, dass 12 Wochen nach dem Todeseintritt, nochmals mit der primären Bezugsperson Kontakt aufgenommen wird, um sich nach deren Wohlbefinden zu erkundigen. Im angezeigten Fall können dann weitere Massnahmen einer Trauerbegleitung, Psychotherapie etc. in die Wege geleitet werden. Für Menschen mit Anzeichen einer komplizierten Trauerreaktion ist ein längerfristiges Kontakt-Halten angezeigt.

Fragen an die Trauerpastoral in der Schweiz

Für die Schweiz ergeben sich aus den Standards einige Fragen z.B. an die Trauerpastoral der Kirchen/Kirchgemeinden:

Besitzen alle Beteiligten, welche innerhalb der Pfarrei/Kirchgemeinde mit Trauernden in Kontakt kommen, Basiskompetenzen in der Trauerbegleitung (z.B. auch Sakristane und Pfarreisekretariatsmitarbeitende)?

Werden alle Trauernden bzw. die Hauptbezugsperson des Verstorbenen durch die Seelsorgeperson, welche die Abdankung durchführte, 12 Wochen nach Todeseintritt nochmals kontaktiert, um sich nach dem Befinden der betroffenen Person zu erkundigen?

Verwendete Literatur
Hudson, P., Hall, C., Boughey, A., & Roulston, A. (2017). Bereavement support standards and bereavement care pathway for quality palliative care. Palliative & Supportive Care, 1-13.

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