Menschen am Lebensende – eine vergessene Bevölkerungsgruppe?

Jun 10, 2016 | (pflegende) Angehörige

bill-sg-vergessenDie öffentliche britische Gesundheitspolitik vergisst Menschen am Lebensende, so das Fazit von Aliki Karapliagou und Allan Kellehear (2016) nach der Auswertung von Fachzeitschriften, Lehrmitteln und Webseiten zum Thema Public Health: Über Themen wie Übergewicht oder Tabakprävention  werde rege diskutiert. Themen wie „Trauer“ oder „Lebensende“ werden zwar fachspezifisch (z.B. in der  Palliative Care Literatur) erörtert, in der präventiven öffentlichen Gesundheitsdiskussion (Public Health) würde jedoch praktisch nicht darauf eingegangen.

Dabei ist die Begleitung als pflegender Angehöriger psychisch belastend. So berichtet eine aktuelle dänische Studie von Mette Kjaergaard Nielsen und Mitarbeitenden (2016), dass ein Drittel aller Pflegenden psychisch auffällige Symptome aufwiesen: 15% zeigten starke antizipierte Trauersymptome [pre-loss grief symptoms], 16% mittlere bis schwere depressive Symptome und 12% gaben an, stark durch die Pflege belastet zu sein. Während pflegende Partner die höchsten Werte bei den Trauer- und Depressionswerten verzeichneten, wiesen Kinder, welche ihre Eltern begleiteten die höchsten Belastungswerte auf. Die Forschenden kommen zum Schluss, dass pflegende Angehörige einem erhöhten Stressrisiko ausgesetzt seien und fordern ein vermehrtes Unterstützungsangebot für Angehörige.

Erfreulicherweise hat der Schweizer Bundesrat im Jahr 2016 einen „Aktionsplan zur Unterstützung und Entlastung von pflegenden Angehörigen” beschlossen.

Literatur:
Karapliagou, A. and A. Kellehear (2016). The forgotten people in British public health: a national neglect of the dying, bereaved and caregivers. BMJ Support Palliat Care, 6, 153-159.
Nielsen, M. K., et al. (2016). Psychological distress, health, and socio-economic factors in caregivers of terminally ill patients: a nationwide population-based cohort study. Support Care Cancer, 24(7), 3057-3067.