2x Amerika und zurück mit einem Zwischenstopp in Spanien: psychosoziale und spirituelle Begleitung in Palliativ Care

Die religiös-spirituelle sowie psychologische Begleitung der Patientinnen und Patienten ist wichtiger Bestandteil des palliativen Versorgungskonzeptes. Wer soll diese Begleitung anbieten und welche Art von Begleitung ist hilfreich? Weiter: Welchen Platz hat die Seelsorge im Team von Palliative Care? Auch in anderen Ländern wird über diese Fragen nachgedacht. Inspirierend meiner Meinung nach.  Daher: 2x Amerika und zurück mit einem Zwischenstopp in Spanien.

1. Halt USA – Die Integration der Seelsorge ist wichtig

Die Frage nach der Integration der Seelsorge ins Palliative Care Team untersuchte Jane Jeuland und Mitarbeitende in den USA. Über 500 Spitalseelsorgende, welche auf palliativen Abteilungen arbeiten, berichteten in der Studie über ihren Berufsalltag (46% Frauen, 70% Protestanten). Im Durchschnitt besuchten sie 5 Patienten und Patientinnen pro Tag und begleiteten diese in ihren existentiellen und religiös-spirituellen Fragen oder im Sterben.
Wichtiges Ergebnis: „Nur“ jede und jeder zweite Befragte berichtete, an Austauschrunden in den Palliative Care Teams teilzunehmen. Dies ist umso bedauerlicher, da die Studienautoren aufzeigen, dass die Integration der Seelsorge ins Team mitentscheidend für die Qualität der seelsorglichen Arbeit ist. Ins Team eingebundene Seelsorgende fällt es leichter, palliative Patienten und ihre Angehörigen umfassend zu unterstützen.

Verwendete Literatur:
Jeuland, J., Fitchett, G., Schulman-Green, D., & Kapo, J. (2017). Chaplains Working in Palliative Care: Who They Are and What They Do. Journal of Palliative Medicine (ahead of print).

2. Halt: Spanien – Es funktioniert! Psychosoziale und spirituelle Begleitung von Patienten und Angehörigen

Eine umfassende Betreuung und Begleitung schwer kranken Menschen anzubieten, dieses Ziel verfolgt auch ein grossangelegtes Projekt in Spanien. Xavier Gómez-Batiste und Mitarbeitende berichten über ein vierjähriges Programm, in welchem 29 Teams (bestehend vorwiegend aus Psychologen und Sozialarbeitenden) schwer kranke Menschen und deren Angehörige psychosozial und spirituell begleiteten. Die Teams standen einerseits den Palliative Care Teams oder Freiwilligengruppen mit Rat und Tat zur Seite, unterstützen aber auch Patienten und ihre Familien bei der Bewältigung der krankheitsbedingten Herausforderungen (von spiritueller oder psychotherapeutischer Unterstützung, über Familien- oder Trauerbegleitung bis hin zu Hilfe bei praktischen Fragen, z.B. bei finanziellen Fragen). Beinahe 9000 Patienten und über 11’000 Angehörige nahmen während den vier Jahren Unterstützung in Anspruch. Und es funktioniert! Das Angebot erwies sich als effizient und half mit, Leiden und Belastungen abzubauen. Patienten und Angehörige waren entsprechend mit dem Programm zufrieden.

Verwendete Literatur:
Gómez-Batiste, X., Mateo-Ortega, D., Lasmarías, C., Novellas, A., Espinosa, J., Beas, E., (…) & Barbero, J. (2017). Enhancing psychosocial and spiritual palliative care: Four-year results of the program of comprehensive care for people with advanced illnesses and their families in Spain. Palliative & Supportive Care, 15 (1), 98-109.

3. Halt USA – Spiritual Care in der Pflege: eine Handreichung

Vielen Pflegenden ist die religiös-spirituelle Begleitung von Patienten wichtig. Entsprechend steigen die Anzahl der Publikationen, welche sich mit dem Thema Spiritualität und Pflege auseinander setzen. Um im Dschungel religiös-spiritueller Ansichten und Meinungen auch heute Pfade und Wege zu sehen, brachte die amerikanische Gesellschaft für Spiritual Care im März 2017 eine Handreichung für Pflegende heraus. Neben einer kurzen Einleitung zur Geschichte und zur Frage, was unter Spiritualität und Religiosität zu verstehen ist, zeigt die Arbeit, wie es Pflegenden gelingt, religiös-spirituelle Fragen und Bedürfnisse der Patienten und Angehörigen zu erfragen und wie sie selbst Betroffene spirituell-religiös begleiten können. Dabei geht es nicht primär um Fachwissen, sondern in aller erster Linie um eine achtsame Haltung gegenüber religiös-spirituellen Fragen, ein empathisches und fürsorgliches Wahrnehmen der Sorgen, Nöte und Ängste der Betroffenen sowie das Wissen, dass bei weiterreichenden Fragen ein Spitalseelsorger beigezogen werden kann. Religion und Spiritualität können aber auch mithelfen, mit sich selbst und den beruflichen Belastungen und Sorgen besser umzugehen.

Verwendete Literatur:
HealthCare Chaplaincy Network, & Spiritual Care Association (2017). Spiritual Care and Nursing: A Nurse’s Contribution and Practice